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Knieschmerzen – und jetzt?

In unserer modernen aber sitzenden Welt bekommen wir nicht mehr genügend Bewegung. Dies macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Auffällig ist hierbei in den letzten Jahren nicht zuletzt die zunehmende Zahl der Kunden, die in die PT Lounge ( Personal Training Lounge) kommen wegen chronischer oder akuter Kniebeschwerden.
Der Knieschmerz ist ein immer weiter verbreitetes Leiden. Oftmals ist es auch schwierig für den Laien zu unterscheiden, wo der Schmerz sitzt oder was eigentlich Schmerz bereitet: Die Patella (Kniescheibe), eine Sehne, irgendein Knochen, vorderer Knieschmerz oder hinterer, stechende Schmerzen bei einer bestimmten Bewegung, schmerzende Knie bei gebeugtem Bein oder in der Streckung, fühlt sich mein Knie instabil an und wohin kann das alles führen?

Das Kniegelenk

Um mehr Verständnis für sich selbst als Mensch und das Funktionieren der Knie zu entwickeln, führen wir am besten eine kurze und knappe Graphik ein, die vereinfacht einen nützlichen Überblick über das Kniegelenk geben soll.

Darstellung Knie

Das Kniegelenk

 

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist in seiner Anatomie ein ganz besonderes Gelenk. Gebildet wird es aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia), dem Wadenbein (Fibula) und der Kniescheibe (Patella). Es ist kein Scharniergelenk, das sich nur auf einer Ebene bewegt wie zum Beispiel das Ellbogengelenk. Das Kniegelenk ist ein Sesamgelenk, das sich beugt, streckt, sich seitlich beugen lässt und kreisende Bewegungen ausführen kann. Die Beugung und Streckung in diesem Gelenk erfolgt translatorisch, d.h. es knickt nicht wie ein Scharnier in einem Fixpunkt ab, sondern die Knochen bewegen sich auf einem Gleitlager (Menisken, Knorpel) beugend oder streckend. Aus diesem Grund ist unser Kniegelenk durch einen ausgeklügelten Bandapparat stabilisiert, im Zusammenspiel mit Muskeln und der Patella (Kniescheibe).

Was tun bei Kniebeschwerden?

Treten Beschwerden (z. B. starke Schmerzen, akute Knieschmerzen, Knieschmerz bei bestimmten Bewegungen) im Knie auf, stehen anfangs oft viele Fragen im Raum: Meine Knie schmerzen – was kann das sein? Was kann ich tun, um die Schmerzen zu lindern? Brauche ich ein künstliches Kniegelenk? Und: Woher kommen meine Beschwerden überhaupt? Wie konnte es soweit kommen? Welche Ursache kann dahinter stecken? Wie kann eine Behandlung der Kniebeschwerden aussehen? Brauche ich eine operative Therapie? Braucht es längere Zeit, bis mein Knie wieder fit ist?

Der erste Schritt ist zweifelsohne, sich eine genaue Diagnose durch einen erfahrenen Arzt einzuholen. In der Regel ist dies ein Orthopäde. Dieser beurteilt in seiner klinischen Untersuchung, in Abhängigkeit der Symptome, den Bewegungsapparat. Hierbei stehen manuelle Bewertungsmethoden und bildgebende Maßnahmen zur Wahl, wie zum Beispiel orthopädische Funktionstests oder eine Kernspintomographie. Getestet werden hierbei u.a. die Führung des Knies, Knochen, Sehnen, Bänder, Muskelfunktion, die Stabilität und die Beweglichkeit des Knies.
Hat man den Zustand des Knies erfasst, empfiehlt sich, unbedingt einer möglichen Ursache für die Beschwerden auf den Grund zu gehen. Eine reine Symptom-Behandlung ist nicht ratsam.
Bei chronischen und degenerativen Knieproblemen besteht die Ursache oftmals aus einer Wechselwirkung von Fehlspannung der Muskulatur und Faszien, Haltung und beeinträchtigte Bewegungsmuster. O-Beine oder X-Beine beeinflussen ebenfalls das Kniegelenk negativ. Auch sollte man muskuläre Defizite in Betracht ziehen. Ebenfalls können neurologische Phänomene die Beschwerden auslösen oder begünstigen.

Arthrose, instabile Kniescheibe, Meniskus, Sehne, Band?

Aufgrund der Diagnose des Arztes und oben genannter Fragen schreitet man zur Tat und beginnt mit der therapeutischen Intervention. Hierbei unterscheidet man selbstverständlich die unterschiedlichen Beeinträchtigungen und den eigenen körperlichen Fitnessgrad. Beispielsweise werden Meniskusverletzungen in verschiedene Grade unterteilt. Je nachdem, wie weit der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen ist, wird entschieden, ob eine arthroskopische Operation (minimalinvasiver Eingriff) in Erwägung gezogen wird oder ob man sich für eine rein konservative Behandlung entscheidet. Konservativ behandeln bedeutet im allgemeinen physikalische Maßnahmen und Physiotherapie, gefolgt von Trainings-Therapie. Auch nach einer operativen Maßnahme ist eine Physiotherapie notwendig, im Bestfall in Kombination mit der Trainings-Therapie.

Nicht nur bei einer Meniskusverletzung verfährt man nach diesem Therapieschema. Auch bei Gonarthrose (Kniearthrose), Verletzungen des vorderen oder hinteren Kreuzbands oder der Seitenbänder, einer Baker-Zyste, einem Plica- Syndrom oder einem Patellaspitzensyndrom, Patella-Luxation, Osgood-Schlatter (um nur ein paar verbreitete Beeinträchtigungen zu nennen) kommt dieses Interventionsmuster zum Einsatz, wobei bei einem Patellaspitzensyndrom normalerweise immer konservativ behandelt wird.

Brauche ich einen operativen Eingriff?

Eine oft gestellte Frage ist, ob man ein künstliches Kniegelenk braucht, eine sogenannte Knie-Totalendoprothese oder kurz auch Knie-TEP genannt. Diese Frage ist eine wichtige, denn ein künstlicher Gelenkersatz stellt einen massiven Eingriff dar und sollte wohlüberlegt sein. Aus eigener Erfahrung aus dem Trainingsbereich mit Reha-Kunden kann ich die Entscheidung zu dieser Frage zwar nicht abnehmen, jedoch kann ich eine persönliche Einschätzung geben: In den meisten Fällen (bestimmt über 80%) kann man behaupten, dass es Sinn macht, es erstmal mit konservativer Therapie und fleißigem Training beim Fachmann zu versuchen, evtl. in Verbindung mit einer minimalinvasiven Operation (Arthroskopie). Sollte das alles nicht helfen, kann man immer noch an ein künstliches Kniegelenk denken. Doch auch dann, nach einer TEP-Operation – oder besonders dann – sollte unbedingt so früh wie möglich eine Versorgung durch Physiotherapie erfolgen sowie ein sinnvolles Reha-Training. Steht die Frage nach einem künstlichen Gelenkersatz im Raum, darf man sich ruhig eine zweite Meinung einholen. Es geht schließlich um die Gesundheit. Welche OP-Methode schließlich angewandt wird, entscheidet der Arzt der Orthopädie-Praxis. Weitere Informationen erhält man im Gespräch mit dem behandelnden Arzt.

Bin ich der einzige Mensch, der von Arthrose betroffen ist?

Unter den chronischen Beeinträchtigungen des Knies sticht heutzutage in der Trainingspraxis die Arthrose als häufiges Beschwerdebild heraus. Die Kniearthrose ist eine degenerative Erkrankung und entwickelt sich nicht spontan, sondern langsam über eine mehr oder weniger lange Zeitspanne, weswegen man in nicht seltenen Fällen die Erkrankung evtl. leicht übersehen kann. Hierbei reibt sich der Knorpel im Gelenk durch dauerhaft zu hohe Belastung ab, wodurch sich im Knie Symptome wie Entzündungen, eingeschränkte Bewegungsamplituden, Schwellungen und auch chronische Schmerzen entwickeln. Diese Überlastung kann durch Bewegungsmangel entstehen. Nutzt man nur noch bestimmte Gelenkwinkel, begünstigt dies stark einen Versorgungsmangel des Gelenkknorpels. Der Knorpel im Kniegelenk nährt sich wie ein Schwamm durch Be- und Entlastung, beispielsweise bei tiefen Kniebeugen. Beim Runtergehen steigt der Druck auf den Knorpel des Knies und ist am höchsten im gebeugten Zustand in der kompletten Hocke. Beim Aufstehen aus dem gebeugtem Knie sinkt der Druck auf den Knorpel wieder und er saugt sich mit Flüssigkeit und Nährstoffen voll. Knorpel kann sich nur so ernähren und wiederherstellen. Muskulatur dagegen ist stets stark durchblutet, im Gegensatz zu Knorpelgewebe. Leider ergibt sich oft ein Teufelskreis: Merkt man irgendwann, dass man beim Abhocken Schmerzen in den Knien hat, spart man diese Bewegung im Gelenk aus. Die Knorpelregeneration wird eingeschränkt.
Aus meiner Erfahrung muss ich leider feststellen, dass viele Kunden mit irrtümlichen Informationen zum ersten Beratungsgespräch in die PT Lounge kommen. Es heißt, Knorpel könne sich nicht wieder aufbauen und man solle keine tiefen Kniebeugen machen. Beides ist falsch. Wie es dann im individuellen Fall genau aussieht und wie sich dies auf die Trainingsgestaltung auswirkt, lässt sich nicht pauschalisieren. Der Regelfall ist, dass der Arzt eine Diagnose stellt und Behandlungsmethoden empfiehlt. Diese sollten Physiotherapie und Trainingstherapie enthalten. Sinnvolles Krafttraining kennt nach oben keine Altersgrenzen. Nicht selten ist eine zu schwache Muskulatur ein ausschlaggebender Faktor bei der Entstehung von Kniebeschwerden, auch bei Arthrose.

Ist Krafttraining mit schweren Gewichten für das vordere Kreuzband schädlich?

Sinnvolles Krafttraining mit schweren Gewichten ist für das vordere Kreuzband nicht schädlich, sondern sehr sinnvoll. Neben der Schulung der koordinativen Fähigkeiten und der Verbesserung der Propriozeption ist sinnvoll angepasstes Krafttraining für Muskeln, Oberschenkelknochen, Unterschenkelknochen und sogar für den gesamten Bandapparat förderlich.
Der menschliche Körper ist ein Anpassungswunder. Im Gegensatz zur populären Meinung erfahren sogar Bänder durch Krafttraining Dickenwachstum.
Grzelak et al. fanden in ihrer Studie “Hypertrophied cruciate ligament in high performance
weightlifters observed in magnetic resonance imaging” 2012 heraus, dass bei Gewichthebern durch die ständige stärkere Belastung auf das vordere Kreuzband dieses bei den Probanden bis zu 50% dicker war als bei der Kontrollgruppe.
Wer die gesamte Studie nachlesen möchte, findet diese auf PubMed.

Ist ein Kreuzband gerissen, wird normalerweise mindestens zwei Wochen gewartet, bis sich die Entzündung im Kniegelenk gelegt hat, sollte ein operatives Verfahren als erste Behandlung erforderlich sein. Es ist empfehlenswert, sich um eine angemessene Behandlung mit Trainings-Therapie zu kümmern, nicht zuletzt wegen des erhöhten Arthrose-Risikos nach einer Ruptur (Riss) eines Kreuzbands. Zur Genesung tragen die Zeit, die der Patient dem Sport-Training widmet und ein fachmännisches Training bei.
Selbstverständlich fängt man nicht in der ersten Woche mit hartem Krafttraining an. Verantwortungsbewusst wird jede Übung an die jeweilige Belastungsphase angepasst. Auch hier gilt es, die Ursache der Verletzung anzugehen, auch wenn diese durch Fremdeinwirkung entstand. Stabile Strukturen und gut funktionierende Muskeln sind die beste Prävention und um (weiteren) Verschleiß zu vermeiden.

Wie sieht das Training bei Knieproblemen allgemein aus?

Beim Training wird auf die Hüftstabilität und Hüftführung besonderen Wert gelegt. Wenn die Hüfte stark ist und gut läuft, kann auch das Knie in seiner Achse stabil bleiben. Die entscheidenden Hüftmuskeln werden aktiviert und Schlüsselmuskeln wie zum Beispiel der große Gesäßmuskel werden gestärkt. Besonders der große Gesäßmuskel dient als Stoßdämpfer für Wirbelsäule und Knie. Außerdem steigert er allgemein die Kraftentfaltung bei Ganzkörperaufgaben. Nicht zuletzt sieht ein trainiertes Gesäß immer gut aus. Neben der Gesäß- und Hüftmuskulatur werden auch die Fußstellung (eventuelle Fehlstellungen), das Gangbild und die Rumpfstabilität trainiert. Durch diese Maßnahmen verbessert sich in der Regel auch die Haltung, was sich wiederum günstig auf die Gelenkachsen im ganzen Körper auswirkt. Grundsätzlich wird stets auf eine gute Kniestabilität und Knieführung geachtet, nicht zuletzt um auch einer instabilen Kniescheibe vorzubeugen, was besonders bei jungen Frauen äußerst wichtig ist (Stichwort MPFL-Plastik). Bei Kniebeschwerden empfiehlt sich also auf jeden Fall sinnvolles Krafttraining beim Fachmann.
Je nach Beschwerdebild, z.B. Verletzungen des Bandapparates, Patellaluxationen, Plica-Syndrom, Patellaspitzensyndrom, Meniskusschäden oder Knorpelschäden sieht das Training, abhängig von der Person und der Trainingsphase, immer etwas anders aus. Ebenso werden die verschiedenen Ursachen in Betracht gezogen.

Übung1/3

mit Konstantin Wiesner (TÜV zertifizierter Personal Fitness Trainer)

Glute Bridge Marches:

– Aus Rückenlage beide Beine anstellen, Fersen setzen auf dem Boden auf, Fuß jeweils anziehen
– Kniewinkel sollte deutlich unter 90 Grad sein, um die Muskulatur der Oberschenkelrückseite aktiv auszuschalten. Wir wollen Gesäßmuskulatur aktivieren!
– ein Bein anheben, um ein leichtes Einrollen des Beckens auf dieser Seite zu provozieren
– Arme liegen neben dem Körper (am besten in Außenrotation)
– Gabriel zeigt hier die fortgeschrittene Variante: Arme nach oben zu einem Dreieck strecken
– aus dem Gesäß des “Standbeins” das Becken nach oben drücken
– Rumpf bleibt stabil!
– absetzen und analog mit der anderen Seite
– wichtig ist, unter stabilem Rumpf aus dem Gesäß zu drücken

 

Übung 2/3

mit Nikola Husch (Diplom- Sportwissenschaftler)

Frog Glute Bridges:

– In Rückenlage die Füße relativ nah – aber komfortabel für die Knie – am Gesäß abstellen.
– Kniewinkel sollte deutlich unter 90 Grad sein, um die Muskulatur der Oberschenkelrückseite aktiv auszuschalten. Wir wollen Gesäßmuskulatur aktivieren!
– Nun die Beine froschartig auseinanderklappen, so dass die Fußsohlen möglichst zueinander zeigen.
– Aus dieser Position aus dem Gesäß das Becken nach oben drücken, Rumpf bleibt kontrolliert.
– Am Scheitelpunkt ganz oben 2s verharren und die Gesäßkontraktion spüren.

Übung 3/3

mit Konstantin Wiesner (TÜV zertifizierter Personal Fitness Trainer)

Reverse Lunges:

– Aus dem Stand mit kontrolliertem Rumpf ein Bein nach hinten schieben.
– Dabei das Gesäß des vorderen Beines aufladen.
– Aus dieser Vorspannung sich wieder kontrolliert in die Startposition hochdrücken. “In das Gesäß rein, aus dem Gesäß raus!”
– Der Schienbeinwinkel bleibt bei korrekter Ausführung aufrecht.
– Alle Wiederholungen erst mit der einen Seite durchführen, dann mit der anderen.

Wenn Sie Fragen haben zu den Übungen oder allgemein zum Thema “Kniebeschwerden” bitte einfach schreiben unter Kommentare. Wir würden uns freuen Sie dabei unterstützen zu können. 

Bleiben Sie gesund. 

Sportliche Grüße 

Hier schreiben für dich Nikola Husch (Diplom- Sportwissenschaftler und Rehatrainer) und Konstantin Wiesner (TÜV-zertifizierter Personal Fitness Trainer) 

Nikola Husch

Nikola Husch

Personal Trainer / Abschluss Dipl.-Sportwissenschaften (Univ.) an der TU München

Der Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Studienschwerpunkt Reha und Prävention arbeitet mit Sportlern aus dem Profi- und Rehabereich. Sein ganzheitlicher Ansatz beinhaltet eine Kombination aus Neuromechanik, Krafttraining und die Optimierung von Bewegungsmustern.

Konstantin Wiesner

Konstantin Wiesner

TÜV zertifizierter Personal Fitness Trainer

Für mich sind Sport und gesunde Ernährung sehr wichtig. Mit der Zeit habe ich mich von einem Hobbysportler zum TÜV zertifiziertem Personal Fitness Trainer und Inhaber einer Personal Training Lounge entwickelt, damit ich den Menschen professionelle Unterstützung in diesen Bereichen anbieten kann. Ich entscheide, wie fit ich bin und wie ich aussehe, und du ?

 

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